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Durchhalten statt durchdrehen: Wie Karriereplateaus zur Chance werden können

Durchhalten statt durchdrehen: Wie Karriereplateaus zur Chance werden können Attila Albert

Berufliche Stagnation frustriert – kann aber auch entlasten, klären und neu ausrichten. Attila Albert erklärt, warum Geduld, Erholung und strategische Vorbereitung gerade in ruhigen Phasen entscheidend für den nächsten Karriereschritt sind.

Berlin – Wie angenehm wäre es, wenn man seine berufliche Weiterentwicklung ganz nach den eigenen zeitlichen Wünschen vorantreiben könnte: die neue Stelle, wenn man sie gerade braucht, die nächste Beförderung genau dann, wenn man sich stärker für seine Karriere engagieren kann und will. Im echten Leben ist das natürlich kaum je der Fall. Viele Chancen kommen unverhofft, häufig muss man wiederum monate- oder jahrelang auf die passende Gelegenheit warten. Umso mehr in wirtschaftlich schwachen Phasen, in denen die Stellen knapper sind, weniger Wechsel riskiert werden und damit auch seltener etwas frei ist.

 

Solche Phasen der beruflichen Stagnation („Karriereplateaus“) sind frustrierend. Man sieht kaum passende Stellenausschreibungen. Die wenigen Bewerbungsgespräche führen zu nichts; trotz aller Anstrengung kommt man nicht weiter. Schließlich zweifelt man an sich selbst: Hat man überhaupt noch eine Chance, wieso klappt nie etwas? Doch das gehört zu jedem Berufsweg und hat auch seinen Wert. Phasen der Stagnation können dabei helfen, sich zu sammeln und zu erholen, sich neu zu positionieren und all das zu erledigen, was sonst immer liegenbleibt. So ist diese Zeit nicht verloren, sondern bringt einen weiter.

 

Lernen, dass es oft viel Geduld braucht

Eine erste wichtige Lernerfahrung dabei ist, dass es selbst bei großem beruflichen Erfolg phasenweise immer auch viel Geduld braucht. Ambitionierte Medienprofis haben anfangs oft die Erwartung, dass sich ihre Bemühungen zuverlässig und zeitnah auszahlen müssten. Eine besondere eigene Leistung müsste also bald mit einer Beförderung belohnt werden, wenn es gerecht zugeht. Bleibt das aus, wie es nun einmal häufig vorkommt, ist das zwar eine Enttäuschung, aber auch eine wichtige Erkenntnis: Manchmal muss man abwarten können, um erfolgreich zu sein – bis sich die Möglichkeit eröffnet und alles passt.

 

Zeit für überfällige Erholungspause nutzen

Weitgehend ereignislose Zeiten erlauben es einem, beruflich einmal nur das Nötigste zu erledigen und sich mehr zu erholen. Pünktlich Feierabend und keine Überstunden, zum Sport oder Freunde treffen, früh ins Bett, Musik hören und endlich das Buch lesen, das schon ewig auf dem Nachttisch liegt – all das geht in Phasen der Stagnation. Sie erinnern einen auch daran, auf wie viel man des Berufs wegen verzichten muss, und können Anlass sein, die persönlichen Prioritäten zu überdenken. Mehr Ruhe und Zeit für sich selbst ermöglichen, die eigenen Zukunftspläne zu überdenken und zu verfeinern.

 

Das eigene berufliche Profil schärfen

In Phasen der beruflichen Stagnation hat man auch wieder die Energie und Zeit, das eigene berufliche Profil zu klären und zu schärfen, eventuell mit Hilfe eines Mentors oder Coaches. Möglicherweise gibt es bestimmte Kompetenzen, die einem aktuell fehlen oder die nicht mehr zeitgemäß sind, häufig haben sich auch die Interessen in Bezug auf Tätigkeitsfeld und Aufgaben verlagert, sind Anschreiben und Lebenslauf veraltet. Hier geht es weniger um eine Beschreibung des bisherigen Werdegangs – „viel Erfahrung“ ist kein gutes Argument –, sondern um ein heute relevantes Profil mit Zukunftspotenzial.

 

Berufliches Netzwerk pflegen und erweitern

Ein Großteil der Karriereoptionen ergibt sich nicht primär aus Stellenausschreibungen und Bewerbungsverfahren, auch wenn diese pro forma wie offiziell vorgesehen durchgeführt werden müssen. Vertrauensvolle Kontakte in der Branche und die Empfehlungen von Führungskräften mit Einfluss entscheiden über Karrieren. Daher empfiehlt es sich in Phasen der Stagnation, sein Netzwerk zu pflegen und zu erweitern: Branchenkollegen treffen und sich austauschen, zu Veranstaltungen gehen, Trends und Themen aufnehmen, das eigene Wechselinteresse bekunden, aber auch andere bei ihren Zielen unterstützen.

 

Ordnung in den eigenen Angelegenheiten schaffen

Das Ordnen der eigenen beruflichen und privaten Angelegenheiten ist in Phasen der Stagnation ein produktiver Weg, die innere Unruhe und Ungeduld umzulenken. Wenn man aktuell gerade sonst nicht viel bewegen kann, dann kann man zumindest aufarbeiten, was liegen geblieben ist, und vorbereiten, was man bald brauchen wird. Beispiele hierfür: persönliche Dokumente (Familie, Beruf, Finanzen, Steuern) durchsehen, ordnen und bereinigen; E-Mail-Postfächer und digitale Ablagen (z. B. SharePoint, Google Drive, Fotoalben) aufräumen und alles löschen, was unnötig Speicherplatz verbraucht.

 

Weiterbildung angehen, wenn sinnvoll

Die frustrierte Ungeduld, die einen in Zeiten der beruflichen Stagnation erfasst, kann enorm motivieren, eine Weiterbildung anzugehen und zügig abzuschließen. Schließlich weiß man jeden Tag, warum man sich die Mühe antut – und ist entschlossen, den Kurs so schnell und so gut wie möglich durchzuziehen. Da es in dieser Phase ruhiger als sonst ist, hat man auch die Kraft und Zeit dafür. Wichtig dabei: Erst das berufliche Ziel festlegen und danach eine passende Weiterbildung und den Anbieter auswählen, also nicht etwas buchen, das einem „interessant“ erscheint, einen aber eventuell nicht weiterbringt.

 

Zur vergangenen Kolumne: Schluss mit faulen Kompromissen

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

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