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„Badische Zeitung“: Markus Hofmann sieht KI als Chance für den Lokaljournalismus

„Badische Zeitung“: Markus Hofmann sieht KI als Chance für den Lokaljournalismus Markus Hofmann (Foto: Christian Hanner)

Lokaljournalismus kann nach Ansicht von Hofmann trotz wirtschaftlichen Drucks eine Renaissance erleben. Der stellvertretende Chefredakteur nennt drei Erfolgsfaktoren – darunter den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Freiburg – Markus Hofmann, stellvertretender Chefredakteur und Leiter Digitales der Badischen Zeitung, beschreibt in einem Essay zum 80-jährigen Bestehen des Blatts, wie Lokaljournalismus trotz massiven Drucks eine Renaissance erleben könne. Ausgangspunkt seiner Analyse ist die dramatische Lage in den USA: Seit 2005 seien dort mehr als 3.200 Zeitungen vom Markt verschwunden, in mehr als 200 der 3.144 Countys gebe es inzwischen keine journalistischen Medien mehr. Hofmann verweist auf Studien, wonach in solchen „Nachrichtenwüsten“ die Wahlbeteiligung sinke, die Korruptionsgefahr steige und die Menschen anfälliger für populistische Parolen würden.


Die Lücke füllten dort Plattformen wie Nextdoor sowie Klatsch- und Tratschmedien. Ein journalistisches Angebot entstehe daraus aber nicht. Auch soziale Medien seien keine Lösung, sondern Teil des Problems, so Hofmann: Nur ein Bruchteil der Nutzungszeit auf Plattformen wie Instagram entfalle überhaupt auf Inhalte von Menschen, denen man tatsächlich folge.


Für die Zukunft des Lokaljournalismus benennt Hofmann drei zentrale Erfolgsfaktoren. Erstens brauche es lokale Inhalte, die tatsächlich Stadtgespräch würden: Redaktionen müssten dafür stärker die konkreten Informationsbedürfnisse ihrer Leser in den Mittelpunkt stellen, etwa mit Planungskonzepten wie dem „User-Need“-Ansatz des früheren BBC-Journalisten Dmitry Shishkin. Zweitens gehe es um echte Begegnungen: Lokaljournalismus dürfe sich nicht auf Artikel, Reels oder Podcasts beschränken, sondern müsse Menschen zusammenbringen. Ein Gedanke, den Hofmann mit dem Konzept des „dialogischen Journalismus“ des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen verknüpft.


KI als wichtigster Verbündeter
Der dritte Faktor dürfte in der Branche für Diskussionen sorgen: Künstliche Intelligenz sei für Redaktionen „vielleicht der wichtigste Bündnispartner“, schreibt Hofmann. Sein Fazit fällt dabei deutlich optimistischer aus als das mancher Kollegen in der aktuellen KI-Debatte: „KI ist kein Feind.“ Mit KI könnten sich Journalisten lästiger Routineaufgaben entledigen und sich stattdessen auf Recherche und die Pflege des lokalen Netzwerks konzentrieren, so Hofmanns Argumentation. KI schaffe damit nicht weniger, sondern neue Freiräume – und ermögliche zudem völlig neue, nützliche Produkte, die ohne die Technologie gar nicht realisierbar wären. Auch für das Berufsbild selbst zieht Hofmann daraus Konsequenzen: Lokaljournalisten blieben „die Ohren des Ortes“, die Themen aufgreifen, Debatten moderieren und Menschen zusammenbringen: digital wie bei Veranstaltungen vor Ort. KI trete dabei nicht an ihre Stelle, sondern übernehme die Aufgaben, die diese Kernrolle bislang eher behindert als unterstützt hätten.


Als internationale Vorbilder nennt Hofmann unter anderem den skandinavischen Regionalverlag Amedia, der seine Redaktionen inzwischen überwiegend aus dem digitalen Geschäft finanziere und gerade bei jungen Zielgruppen wachse, sowie das kanadische Medienhaus Village Media, das sich in 27 Gemeinden als „Community Impact Platform“ positioniere und über reine Nachrichten hinaus auch soziale Projekte unterstütze. In Deutschland verweist er auf das Transformationskollektiv Drive, dem mehr als 30 Regionalzeitungen, darunter die Badische Zeitung als Gründungsmitglied, angehören und die branchenintern Wissen und Erfolgskonzepte austauschen.


Auch die eigene Leserschaft habe sich klar positioniert: An der bislang größten Leserbefragung der BZ-Geschichte hätten sich 2025 gut 16.000 Menschen beteiligt. Ganz oben auf der Wunschliste: mehr und besserer Lokaljournalismus.


Markus Hofmann (Jahrgang 1972) kommt aus Rheinfelden, wo er Abitur machte. Nach einem Zeitungsvolontariat bei der Badischen Zeitung konzipierte und leitete er das Veranstaltungsmagazin TICKET. Anschließend verließ er die BZ und studierte Volkswirtschaftslehre und Medienmanagement in Freiburg und Köln. Im Jahr 2005 kehrte Markus Hofmann nach Freiburg zurück und leitet seitdem die Online-Redaktion der BZ und das Freiburger Webportal fudder.de. Als Redaktionsleiter von fudder wurde Hofmann 2007 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. 2021 wurden Hofmann und sein Team mit dem Global Media Award prämiert.

 

 

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