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KNA

Digitalkonferenz re:publica bringt Mensch gegen Maschinen in Stellung

Über das Verhältnis von Mensch und Maschine wird seit Jahren gestritten. Mit dem Vormarsch von KI-Systemen kommen in der Debatte ganz neue Fragen auf. Viele werden in dieser Woche bei der re:publica diskutiert.

Berlin (KNA) – Zur Eröffnung der Digitalkonferenz re:publica haben die Veranstalter am Montag zu einem kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz aufgerufen. Andreas Gebhard, Mitgründer der Berliner Konferenz, sagte, dass die digitale Gesellschaft mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sei. „Wir wollen die Kontrolle über die Maschinen behalten. Dafür müssen wir uns besinnen und dürfen keinen zurücklassen.“


Die Konferenz steht in diesem Jahr unter dem Motto „Never Gonna Give You Up“, der Titel eines beliebten Popsongs von Rick Astley aus dem Jahr 1987. Übersetzt bedeutet das Motto: „Ich werde dich niemals aufgeben“. Das sei ein Rückgriff auf die Ursprünge der re:publica, die seit 2007 jährlich in Berlin stattfindet, erklärte Gebhard: „Wir hatten damals diese Utopie vom Internet als Demokratiemaschine. Jetzt liegt es in den Händen von ganz wenigen Kerlen, wir haben Maschinen alles übergeben, und es ist alles sehr viel weniger besser geworden, als wir gedacht haben. Aufgeben wolle man das Internet – wie das Motto andeutet – aber nicht.


Ausbeutung und Ungleichheit durch KI

Gebhards Kritik an der Machtkonzentration im digitalen Bereich griff die Autorin und KI-Expertin Karen Hao in ihrer Keynote-Rede auf. Sie erklärte, wie Künstliche Intelligenz an verschiedenen Stellen ihrer Lieferkette für Ausbeutung, Ungleichheit und Umweltzerstörung beiträgt.

 

Als Beispiel nannte sie Arbeitskräfte im Globalen Süden, die für die Moderation der Inhalte von Chatbots zuständig sind und verhindern sollen, dass Nutzer gewaltvolle, sexualisierte oder diskriminierende Inhalte sehen. Dafür müssten diese Arbeiter sich aber durch Massen genau dieser Inhalte kämpfen, was bei vielen nachhaltige gesundheitliche Schäden verursache.

 

Auch einen enormen Ressourcenverbrauch, eine schlechte Klimabilanz und eine finanzielle Machtkonzentration bei wenigen großen Konzernen prangerte Hao an. Sie rief Europa dazu auf, einen anderen Weg als die USA einzuschlagen und für Transparenz in der Lieferkette zu sorgen. Außerdem solle man sich auf Anwendungen konzentrieren, die nicht die Profite der Anbieter erhöhen, sondern den Menschen wirklich Nutzen bringen.

 

Als Beispiel nannte sie KI-Modelle, die in der Medikamentenentwicklung zum Einsatz kommen. Hierfür brauche man dann auch keine Datenarbeiter und viel weniger Rechenleistung, die für den enormen Ressourcenverbrauch der Technik verantwortlich sei.

 

Die re:publica findet in diesem Jahr vom 18. bis zum 20. Mai statt. In über 670 Veranstaltungen sprechen mehr als 1.200 Experten aus Wissenschaft, Medien, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft über verschiedene Aspekte der Digitalisierung. Als Gäste werden unter anderen die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger erwartet.

 

 

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