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Newsroom – Georg Taitl

Georg Restle postet Verschwörungstheorie zu Ceuta und rudert nun zurück

Georg Restle postet Verschwörungstheorie zu Ceuta und rudert nun zurück Georg Restle (Foto: WDR/Ben Knabe)

Nach Kritik an seinem X-Beitrag räumt der ARD-Journalist einen Fehler ein. Der WDR teilt diese Einschätzung, weist Antisemitismusvorwürfe gegen Restle aber zurück.

Köln/Nairobi – Der ARD-Journalist Georg Restle hat einen Fehler im Zusammenhang mit einem umstrittenen Beitrag auf der Plattform X eingeräumt. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, mit seinem Beitrag antisemitische oder antiamerikanische Positionen verbreitet zu haben. 


Ausgangspunkt der Kontroverse war ein Beitrag Restles auf X. Der Journalist hatte einen Artikel des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Stephen Zunes in der linken US-Zeitschrift „The Nation“ verlinkt und daraus eine Passage hervorgehoben. Darin wird die These vertreten, der massenhafte Grenzübertritt von Migranten nach Ceuta sei Teil der Bemühungen eines „US-israelisch-marokkanischen Netzwerks“ gewesen, eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben.


In dem vorliegenden Artikel werden keine Belege für eine gemeinsame Steuerung der Ereignisse durch die USA, Israel und Marokko genannt. Mehrere Politiker und Publizisten kritisierten deshalb Restles Beitrag und warfen ihm vor, eine Verschwörungstheorie verbreitet zu haben.


Der CDU-Bundestagsabgeordneten Serap Güler zufolge handelte es sich um „Antisemitismus und Antiamerikanismus vom Feinsten“. Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, fragte öffentlich, ob Restle Belege für die aufgestellte Behauptung vorlegen könne. Auf X entwickelte sich anschließend eine kontroverse Debatte.

 

„Vertrauen in Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des WDR beschädigt“
Auch innerhalb des WDR führte der Beitrag zu einer Beschwerde. Felix Schotland, Mitglied des WDR-Rundfunkrats und Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln, wandte sich an die WDR-Programmdirektion. Er kritisierte, Restle habe eine weitreichende politische Behauptung ohne nachvollziehbare Einordnung oder erkennbare Distanzierung verbreitet.


Schotland erklärte, von einem Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erwarte er eine faktenbasierte, sorgfältige und ausgewogene Kommunikation. Aussagen dieser Tragweite könnten aus seiner Sicht das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit des WDR nachhaltig beschädigen. In seiner Beschwerde bat er unter anderem um eine Bewertung des Beitrags durch die Programmdirektion und um Auskunft darüber, welche Maßstäbe für politische Äußerungen von WDR-Journalisten in sozialen Medien gelten.

 

Restle will nur zitiert haben
Restle reagierte inzwischen auf die Kritik. Er erklärte, er habe mit seinem Beitrag auf ein Zitat aus einer „geopolitischen Analyse zu Ceuta“ hinweisen wollen. Die Aussage stamme nicht von ihm. Er mache sie sich weder zu eigen noch hätte er sie selbst so formuliert.


Gleichzeitig räumte Restle ein, dass es ein Fehler gewesen sei, das Zitat ohne weiteren Kommentar wiederzugeben. Ihm hätte klar sein müssen, dass die Aussage ihm zugeschrieben werden könne. Von den Vorwürfen, er verbreite Antisemitismus, distanzierte er sich dagegen ausdrücklich. Die Konstruktion eines Antisemitismusvorwurfs aus dem Zitat einer aus seiner Sicht nicht antisemitischen Analyse bezeichnete er als „grotesk“.

 

WDR will Mitarbeiter sensibilisieren
Der WDR kündigte an, auf die Beschwerde von Schotland in der folgenden Woche zu antworten. Der Sender erklärte zugleich, Restle habe das kommentarlos geteilte Zitat selbst als Fehler bezeichnet. Diese Einschätzung teile der WDR. Die Mitarbeiter des Senders sollten erneut dafür sensibilisiert werden, auch auf privaten Social-Media-Accounts mit der notwendigen journalistischen Sorgfalt zu agieren.


An Restles persönlicher Integrität bestehe für den WDR nach eigenen Angaben dennoch kein Zweifel. Ihn aufgrund des Beitrags als Person in die Nähe des Antisemitismus zu rücken, sei aus Sicht des Senders nicht gerechtfertigt.

 

Zur Person 
Restle leitet seit Juni 2026 das crossmediale ARD-Studio in Nairobi. Zuvor war er Redaktionsleiter und Moderator des ARD-Politmagazins „Monitor“, das vom WDR produziert wird. Die Debatte über seine öffentlichen Äußerungen in sozialen Netzwerken schließt an frühere Auseinandersetzungen über die Abgrenzung zwischen persönlichen Beiträgen und seiner journalistischen Funktion an.

 

 

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