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KI im Journalismus: Zwischen Versprechen und Realität

KI im Journalismus: Zwischen Versprechen und Realität Markus Wiegand (Foto: Medienfachverlag Oberauer)

Markus Wiegand analysiert im aktuellen „kress pro“, wo Medienhäuser bei Kosten, neuen Produkten und Erlösen mit KI stehen.

Berlin – Chefredakteur Markus Wiegand zieht in seinem Editorial im aktuellen „kress pro“ eine nüchterne KI-Bilanz: Berater und Dienstleister verdienen bereits gut mit, Medienhäuser selbst stehen dagegen oft noch ganz am Anfang:


Wie weit sind wir Medien beim Thema KI?
Um die Frage zu beantworten, wählen wir bewusst einen ganz nüchternen Zugang. Wir schauen uns an, wie sich seit dem Einzug von KI in den Medienalltag die Kosten und die Erträge von Medienhäusern verändert haben.


Die Kosten
Viele kleine, nervtötende Arbeitsschritte können dank KI in Medienhäusern eingespart werden. Vieles allerdings, so sagt Berater Christoph Mayer im Titelinterview dieser Ausgabe, hat eher Convenience-Charakter und führt wirtschaftlich kaum zu messbaren Ergebnissen. Dazu kommt in den Redaktionen, dass fast alle Führungskräfte immer betonen, dass der Mensch bei der Publikation das letzte Wort hat. Ohne stark automatisierte Lösungen wird es aber kaum möglich sein, Kostenvorteile voll zu heben.


Vergessen wird gelegentlich, dass auch der KI-Einsatz nicht kostenlos ist. Eine kundige Quelle ging zuletzt in einem Hintergrundgespräch gar davon aus, dass viele kleinere Anwendungen sich langfristig womöglich nicht mehr lohnen könnten, wenn die Preise von KI-Plattformen steigen.


Verdienen am KI-Boom können derzeit vor allem Dienstleister und Berater. Medienhäuser müssen in schwierigen Zeiten dagegen zusätzliche Kosten stemmen: Ehe Mittel eingespart werden können, muss zunächst ein beträchtlicher Initialaufwand betrieben werden. Vor allem kleinere Häuser scheuen diesen Aufwand noch. Mayer schätzt, dass rund ein Drittel der Medienhäuser „die Arbeit mit KI noch gar nicht begonnen hat“.


Die Erträge
Hier gibt es theoretisch zwei Hebel. Medien können zum einen durch KI neue Produkte auf den Markt bringen. Zum anderen können sie ihre Informationen an KI-Unternehmen verkaufen, die damit die eigenen Maschinen füttern oder KI-Agenten befähigen, Aufgaben für Kunden zu erfüllen.


Bei neuen Produkten sind die großen Fachmedienhäuser am weitesten. Überall, wo strukturierte Daten vorliegen, wie etwa im Bereich Recht und Steuern, macht KI neue oder bessere Angebote möglich. Überall, wo es um journalistische Angebote geht, steckt die Entwicklung dagegen noch in den Kinderschuhen. Nennenswerte Erlöse erzielen Medien im deutschsprachigen Raum damit noch nicht.


Der andere Weg, über KI-Anbieter mit Inhalten und Daten Lizenzeinnahmen zu erzielen, ist bisher auch nur eine vage Option. In Deutschland haben große Häuser wie Springer Deals mit KI-Unternehmen. In der Breite der Branche ist bisher aber kein Geld angekommen. In einer internationalen Reuters-Studie, die zu Beginn des Jahres veröffentlicht wurde, gingen denn auch nur 20 Prozent der befragten Führungskräfte davon aus, dass KI-Plattformen künftig eine signifikante Erlösquelle werden.


Auf dem Weg der Erleuchtung
Möglicherweise klingt diese Analyse in Ihren Ohren ein wenig trüb. Und natürlich ist es keine Option, KI links liegen zu lassen. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass KI für die Medienbranche im Jahr 2026 oftmals noch ein Versprechen ist. Der Weg, die Kosten mit KI zu senken oder neue Produkte auf den Markt zu bringen, ist lang. Vielleicht länger als gedacht. Es gibt ja diese Modelle (wie den Gartner-Hype-Cycle), die zeigen, welche Phasen neue Technologien durchlaufen. Erst gibt es eine große Euphorie, in der die neuen Möglichkeiten im Mittelpunkt stehen. Dann folgt eine Zeit der Enttäuschungen, in der sich zeigt: ganz so einfach wird das alles nicht. Anschließend folgt der „Pfad der Erleuchtung“ und das „Plateau der Produktivität“.


Vielleicht sind wir gerade in der Phase der enttäuschten Erwartungen. Wir bei „kress pro“ möchten natürlich dabei helfen, Sie möglichst rasch auf den Weg der Erleuchtung zu führen. Daher haben wir für diese Ausgabe 22 KI-Cases gesammelt, die das Potenzial haben, Medien weiterzuhelfen. Überrascht haben mich dabei vor allem die beiden Vermarktungslösungen der Rheinischen Post Mediengruppe und von Russmedia aus Österreich. Hier winken nicht nur neue Kosten, sondern neue Erlöse.


Außerdem empfehle ich Ihnen den digitalen „Kress Innovation Day“ am 8. Oktober. Dort teilen KI-Profis ihre Erfahrungen aus der Praxis. Zum kostenlosen Online-Event


Must-Reads im aktuellen „kress pro“

  • 22 KI-Lösungen, die Medien besser machen: Von automatisierten Recherchen in Datenquellen bis zu cleveren Ansätzen in der Vermarktung. Wie führende Häuser arbeiten
  • Plus: Was KI-Profi Christoph Mayer Medienhäusern jetzt strategisch rät
  • Fachmedien. Wie Carsten Wagner mit dem VKU-Verlag in sechs Jahren um 70 Prozent gewachsen ist
  • Print im Fokus. Warum die „Kleine Zeitung“ aus Österreich auf ein eigenes Team setzt

 

 

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