Vermischtes
Newsroom – Marc Bartl

„logo!“ ändert Konzept für Wahlberichterstattung

Nach Kritik an Interviewformat mit AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt setzt die ZDF-Kindernachrichtensendung vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf redaktionelle Einordnung.

Mainz – Die „logo!“-Redaktion des ZDF hat ihr Konzept für die Vorberichterstattung zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern geändert – als Reaktion auf die massive Kritik am Interviewformat zur Wahl in Sachsen-Anhalt. Man habe sich damit „intensiv beschäftigt“, teilte die Redaktion mit: „Im Nachhinein müssen wir feststellen, dass das gewählte redaktionelle Konzept nicht angemessen war.“ Man danke den Zuschauerinnen und Zuschauern für ihre „wichtigen, ausführlichen und teilweise sehr persönlichen Rückmeldungen“.

 

In der „logo!“-Sendung vom 3. September hatte die ehemalige Landesschülersprecherin in Sachsen-Anhalt eine Interviewreihe mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sowie Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) geführt; die Gespräche hatten daraufhin für erhebliche Diskussionen gesorgt. Redaktionsleiterin Constanze Knöchel hatte die Entscheidung damals noch in einem ausführlichen LinkedIn-Beitrag verteidigt: „Logo!“ dürfe sich nicht danach richten, „wo der größere Shitstorm droht“.

 

Für Mecklenburg-Vorpommern hat sich „logo!“ nun für eine andere Herangehensweise entschieden: Die Aussagen aus Interviews mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult sollen künftig in einem redaktionellen Beitrag eingeordnet werden, statt sie im bisherigen Format gegenüberzustellen. Das Interview mit Schult führte die „logo!“-Redaktion nach dem neuen Konzept am 8. September; das Gespräch mit Schwesig und einer Vertreterin des Landesschülerrats Mecklenburg-Vorpommern hatte bereits am 29. August stattgefunden.

 

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) begrüßt die Kurskorrektur. „Dass 'logo!' vor der Wahl in Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund eine halbe Stunde hat schwadronieren lassen, hat zu Recht für viel Unmut gesorgt. Gut, dass sich das für Mecklenburg-Vorpommern nicht wiederholt“, sagt DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster. Die „perfide Medienstrategie“ der AfD erfordere journalistische Profis – „das ist gerade gegenüber jüngeren Zuschauenden unverzichtbar“. Laut DJV hatten bis Dienstagmorgen fast 300.000 Menschen eine Online-Petition gegen ein unkommentiertes Interview mit Schult unterzeichnet; Beuster begrüßt, dass das ZDF „dieses Votum ernst nimmt“.

 

 

 

 

Sie möchten aktuelle Medien-News, Storys und Praxistipps lesen – und sich über Jobs, Top-Personalien und Journalistenpreise aus Deutschland informieren? Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter.

 

Sie haben Personalien in eigener Sache oder aus Ihrem Medienhaus? Oder ist Ihnen in unseren Texten etwas aufgefallen, zu dem Sie sich mit uns austauschen möchten? Dann senden Sie Ihre Hinweise bitte an georg.taitl@oberauer.com.