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Markus Kaiser: Von wegen alles zieht nach Berlin!

Die Vielfalt der bayerischen Medienwelt findet sich seit dieser Woche gebündelt auf einer neuen Website, für die der Verein MedienCampus Bayern verantwortlich zeichnet.

München - Film, Games, Journalismus, Medientechnik, innovative Technologien: Der Medienstandort Bayern präsentiert sich ab sofort auf der neuen Website des Mediennetzwerks Bayern.

„Unsere besondere Stärke liegt darin, dass wir über alle Medienbereiche gut aufgestellt sind“, sagt die bayerische Medienministerin Ilse Aigner in einer Presseaussendung. „Dies wollen wir mit der neuen Internetseite zeigen.“ Die Website www.mediennetzwerk-bayern.de diene deshalb der Sichtbarkeit nach außen. „Bayern ist einer der führenden Medienstandorte“, erklärt Aigner. „Manchmal haben wir in unserer typisch bayerischen Bescheidenheit nur zu wenig darüber gesprochen.“

Bayerns Medienstaatssekretär und MedienCampus-Bayern-Vorstandsvorsitzender Franz Josef Pschierer ergänzt: „Die Medienstandort-Website wird auch bei der Vernetzung des gesamten Medienstandorts innerhalb des Freistaats eine bedeutende Rolle spielen.” In einer Zeit, in der an den Schnittstellen neue Zukunftsentwicklungen im Bereich Crossmedia, Transmedia oder Augmented Reality entstünden, sei es für die bayerische Medienbranche wichtig zu wissen, welche Partner es am eigenen Standort gebe.

Die Redaktion der Mediennetzwerk-Website befindet sich in der Geschäftsstelle des MedienCampus Bayern, des Dachverbands für Medienausbildung und Medienfortbildung in Bayern.Dabei beleuchtet das neue Angebot die bayrische Medienszene aus journalistischer Sicht: „Das Besondere an unserer Medienstandort-Website: Wir wollten bewusst keine klassische Standort-Seite mit PR-Texten machen, sondern durch journalistische Beiträge aufzeigen, was es in Bayern alles gibt“, sagt Koordinator Markus Kaiser im Gespräch mit Newsroom.de.

Herr Kaiser, alles zieht nach Berlin, sogar der „Focus“ wird sich verstärkt in der Bundeshauptstadt engagieren!

 

Markus Kaiser, Leiter der Geschäftstelle vom MedienCampus Bayern e.V., freut sich über das Zusammenrücken der Medienszene in Bayern.

 

 

Markus Kaiser: Sehr schade mit dem „Focus“, aber verständlich. Als Politikredaktion muss man natürlich dort sein, wo sich die Politiker aufhalten. Die „Süddeutsche Zeitung“ beweist zwar, dass es auch anders geht und manche Sachen sich in Kommentaren mit etwas mehr Distanz vielleicht sogar besser einordnen lassen. Aber wer vor allem auf Politikerkontakte angewiesen ist, muss nah dran sein. Dies ist ja der Grund für den „Focus“-Teilumzug. Der Sitz von Burda und der Rest der Redaktion soll ja in München bleiben. Und „alles zieht nach Berlin“ – davon kann nun wirklich keine Rede sein. Dieser Eindruck stimmt absolut nicht.

Sie haben jetzt eine ganze Website zum Mediennetzwerk in Bayern veröffentlicht. Was verbirgt sich dahinter?

 

Die Redaktion der Mediennetzwerk-Website www.mediennetzwerk-bayern.de befindet sich in der Geschäftsstelle des MedienCampus Bayern e.V.. Das Angebot ging diese Woche an den Start.

 

Markus Kaiser: Das Mediennetzwerk Bayern gibt es bereits seit Anfang 2013. Es ist ein Zusammenschluss des Bayerischen Rundfunks, der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, des MedienCampus Bayern, des FilmFernsehFonds Bayern, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und des Freistaats Bayern. Ziel ist es, durch Vernetzung den Medienstandort Bayern zu stärken, neue Entwicklungen zu fördern, Veranstaltungen am Standort besser zu koordinieren, zu optimieren und intensiver zu bewerben. Und dies über alle Medienbereiche: Von Print und Publishing über Film, Games und Animation bis hin zur IT, Design, Fernsehen, Radio und Werbung. Das Besondere an unserer Medienstandort-Website: Wir wollten bewusst keine klassische Standort-Seite mit PR-Texten machen, sondern durch journalistische Beiträge aufzeigen, was es in Bayern alles gibt. Es darf durchaus auch einmal kontrovers auf unserer Seite diskutiert werden: Es gibt zum Beispiel derzeit eine heftige Debatte in Bayern darüber, ob der Bayerische Rundfunk statt BR Klassik dem Jugendsender PULS eine UKW-Frequenz geben sollte. Dies bilden wir in Pro-&-Contra-Kommentaren ab. Alle unserer Autoren sind Journalisten. Wir arbeiten hier sehr crossmedial: Über das modernste Fernsehstudio Europas bei Sky in Unterföhring haben wir beispielsweise einen Videobeitrag gedreht. PR-Texte haben auf unserer Website bewusst keine Chance: Wir recherchieren und schreiben selbst bzw. engagieren dafür freie Journalisten. Wir wollen auch immer versuchen, Geschichten zu erzählen, Menschen in Porträts vorzustellen und Hintergründe aufzuzeigen, statt Nachrichten weiterzugeben. Crossmedia ist übrigens tatsächlich ein wichtiges Schlagwort: Im Juli legen wir mit einem Medienstandort-Magazin nach.

Wie ist denn die Situation der Medien in Bayern?

Markus Kaiser: Die Situation der Medien in Bayern ist wie in anderen Bundesländern auch massiv im Umbruch. Negativmeldungen wie die Insolvenz der Abendzeitung München dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Medienbranche in Bayern weiterhin boomt und ein extremer Wirtschaftsfaktor mit enorm vielen Arbeitsplätzen ist. In der Filmindustrie sind zum Beispiel mehr als 3300 Unternehmen tätig. Vom FilmFernsehFonds Bayern geförderte Filme verbuchten im Jahr 2012 über zwölf Millionen Kinobesucher. Wir haben starke Unternehmen wie Bavaria Film, Constantin oder ARRI. Eine Burda-Tochter hat im vergangenen Oktober äußerst erfolgreich die deutsche Ausgabe der Huffington Post gestartet. Die Industrie- und Handelskammer in München befürchtet einen Fachkräftemangel. In der Tat erhalten wir viele Anfragen von Medienunternehmen, wie sie an gute junge Leute kommen. Die Medienbranche ist eben sehr differenziert und kleinteilig. Außerdem gibt es in einem Flächenland wie Bayern massive Unterschiede. In Nürnberg boomt beispielsweise der Bereich der Kommunikationstechnologien. München ist deutlich breiter aufgestellt. Und in manchen Ecken Bayerns läuft es tatsächlich nicht mehr so wie vor dem Internetzeitalter. Insgesamt ist die Medienbranche vor allem im Ballungsraum München aber deutlich bedeutender geworden in den vergangenen Jahren.

 

Mit einer Mediennetzwerk-Torte feiern die Mediennetzwerk-Partner den Start der neuen Medienstandort-Website (von links): Andreas Scherer (Erster Vorsitzender des Verbands Bayerischer Zeitungsverleger), Bayerns Medienstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Siegfried Schneider (Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien), Markus Kaiser (Geschäftsstellenleiter des MedienCampus Bayern) und Markus Riese aus der Intendanz des Bayerischen Rundfunks. Foto: Marita Reich/MedienCampus Bayern

 

 

Kann Bayern aus Ihrer Sicht mit Berlin konkurrieren?

Markus Kaiser: Wir sind deutlich breiter aufgestellt in der gesamten Medienbranche als Berlin, Hamburg oder Köln. Wir haben in Bayern bisher aber vernachlässigt, darüber zu reden und dies auch an Beispielen zu zeigen. Dies ist schließlich ein Grund, warum wir die neue Medienstandort-Website unter www.mediennetzwerk-bayern.de aufgebaut haben. Der andere ist die Vernetzung innerhalb der bayerischen Medienbranche. In keinem Bundesland gibt es zum Beispiel so viele lokale Hörfunksender wie in Bayern. Wir sind nach New York der größte Verlagsstandort. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen entwickelt auch nach dem MP3-Erfolg irre neue Technologien: Erst auf dem Mobile World Congress in Barcelona haben sie vorgestellt, dass es künftig so klingt, als säße man sich gegenüber, wenn man miteinander telefoniert. Wir haben die Crossmedia- und Transmedia-Vordenker in Bayern sitzen: sowohl Praktiker als auch Wissenschaftler an den Hochschulen und Universitäten. Im Bereich Aus- und Fortbildung sind wir exzellent aufgestellt. Wir haben eine starke Werbebranche. Bei all dem geht es aber nicht um Rankings, sondern um die Weiterentwicklung des gesamten Medienstandorts.

Die Fragen an Markus Kaiser, Geschäftsstellenleiter vom Verein MedienCampus Bayern, stellte Newsroom.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

 

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