Vermischtes
Newsroom – Markus Trantow

„Reporterfabrik“ lädt Gilda Sahebi und Jan Fleischhauer zum Rede-Duell

Im Diskussionsformat „Hi & Noon?“ streiten Gilda Sahebi und Jan Fleischhauer über Polarisierung, Medienkritik und den Zustand des Journalismus. Das 126 Minuten lange Gespräch ist die zweite Folge des Formats.

Berlin – Verbinden oder spalten? Die „Reporterfabrik“ nennt das Diskussionsformat „High Noon“ von Journalist Cordt Schnibben ab sofort „Hi & Noon?“. Grund ist ein gleichnamiges Format des „Tagesspiegel“, das zuerst da war. In Folge zwei streiten Bestseller-Autorin Gilda Sahebi und der „Focus“-Kolumnist und ZDF-Moderator Jan Fleischhauer darüber, ob Deutschland mehr oder weniger Polarisierung brauche. Die Positionen der beiden Medienmacher sind denkbar gegensätzlich: „Die Aufgabe von Journalisten ist es, zu beschreiben, nie in Gut und Böse zu denken, die Wahrheit liegt immer in der Differenzierung, nicht in der Polarisierung“, sagt Sahebi. Fleischhauer sieht das anders: „Ich lebe von der Polarisierung, mit buddhistischer Zen-Mentalität schreibst du keine gute Kolumne.“ In dem 126 Minuten langen Streitgespräch geht es denn auch heiß her, an nur wenigen Punkten kommen Sahebi und Fleischhauer zusammen, etwa in der Einschätzung, dass beide sich keine Kanzlerin Alice Weidel vorstellen wollen.


Immer wieder gibt es auch Journalismus- und Medienkritik. Sahebi beschreibt etwa Eingriffe in Texte, die sie für den ÖRR verfasst. So dürfe sie u.a. beim WDR nicht gendern. Ohne Namen oder Redaktionen zu nennen, sagt sie auch, dass sie zu bestimmten Formaten und Diskussionen im ÖRR nicht eingeladen werde. Generell beklagt sie, dass in ARD-Redaktionen eine Angst herrsche, als „zu links“ wahrgenommen zu werden. Auch Fleischhauer kritisiert die ARD und wirft dem Sender Cancel Culture vor. Als Beispiele gelten ihm der Umgang mit der Journalistin und Ärztin Nemi El-Hassan, die 2021 wegen Antisemitismus-Vorwürfen nicht „Quarks“ moderieren durfte, die Absetzung von Thilo Mischke als „TTT“-Moderator und die Causa „Klar“ um BR-Journalistin Julia Ruhs.


In seinem Schluss-Statement plädiert Fleischhauer dafür, in „jemandem, der anders denkt, nicht jemanden zu sehen, den ich ausschließen muss, der weg muss“. Am Ende sind beide sich einig, dass der Versuch, die Gegenseite zu verstehen, nicht gleichbedeutend mit einer Billigung ist.

 

 

 

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