Berlin – Der „Spiegel“ veröffentlicht interne Notizen der Linken-Politikerin Elif Eralp, die sie bei der Autorisierung eines Interviews über Antisemitismus in ihrer Partei versehentlich mitgeschickt hat, wie turi2 berichtet. Darin äußere sie Angst um ihre Familie und bereue ihre Aussagen zu einem Hamas-Sympathisanten. „Ich hätte dieses Interview niemals zusagen dürfen“, soll sie in ihren Anmerkungen geschrieben haben. Der „Spiegel“ begründet die Veröffentlichung des Vorgangs mit der „politischen Tragweite“.
Eralp will laut „Politico“ rechtlich gegen den „Spiegel“ vorgehen und eine Beschwerde beim Deutschen Presserat einreichen.
Medienjournalist Stefan Niggemeier sieht in der Veröffentlichung einen möglichen „Vertrauensbruch“ bei der üblichen Autorisierungspraxis. Gleichzeitig betont er in der „Süddeutschen Zeitung“ die journalistische Aufgabe, auch unliebsame Wahrheiten aufzudecken.
Medienanwalt Christian Schertz spricht gegenüber dem „Tagesspiegel“ von einem „medienrechtlich interessanten Grenzfall“. Vertrauliche Kommunikation genieße zwar persönlichkeitsrechtlichen Schutz, die Pressefreiheit ende jedoch nicht dort, „wo eine Information ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war“. Daher hält er die Veröffentlichung der politisch relevanten Kommentare „für überwiegend zulässig“.
Linken-Politiker Bodo Ramelow dagegen nennt das Vorgehen des „Spiegel“ gegenüber dem „stern“ „mehr als fragwürdig“. Eine rein interne Kommunikation werde dazu benutzt, „um eine schwache Frau zu zeigen. Das ist ein anachronistisches Klischee“, so Ramelow.
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