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Zukunftslabor: „Cliff“ – Kann ein neues Modell Investigativjournalismus retten?

Zukunftslabor: „Cliff“ – Kann ein neues Modell Investigativjournalismus retten? Patrick Stegemann (Foto: www.jacobiadahm.de)

Welche Strategie steckt hinter dem Investigativ-Start-up „Cliff“ von Patrick Stegemann? Stephan Weichert zeigt, wie das Projekt neue Wege bei Finanzierung, Produktion und Verbreitung journalistischer Inhalte sucht.

Berlin – Die Medienbranche sucht nach neuen Geschäftsmodellen und innovativen journalistischen Angeboten. In seiner Serie „ Weicherts Innovationscheck “ im „medium magazin“ analysiert Stephan Weichert aktuelle Medien-Start-ups und neue Formate. Diesmal nimmt er das von Patrick Stegemann gegründete Projekt „Cliff“ in den Blick und beleuchtet dessen Konzept, Herausforderungen und Erfolgschancen.

 

Was ist das?

„Cliff“ ist ein neues plattformübergreifendes Investigativ-Projekt, gegründet im April 2026 von Patrick Stegemann, dem Mitgründer des bekannten Podcast-Studios Undone („Cui Bono“, „Legion“), und der Flow Media Company mit Büros in Berlin, Köln und Hamburg. „Der Auslöser für die Gründung von ‚Cliff‘ war die Frage, wie große investigative Narrative in einem sich fundamental verändernden Medienmarkt künftig erzählt werden können“, sagt Produzent Stegemann. Das neue Label existiert derzeit vor allem als Versprechen: Wer die Website von „Cliff“ ansteuert, wird dort erst ab dem 7. August Recherchen, Podcasts und Filme finden.

 

Wer steckt dahinter?

Mit „Cliff“ wagt Stegemann einen Neuanfang und startet eines der interessantesten Experimente im deutschen Investigativjournalismus. Das wichtigste Kapital des Projekts ist zweifellos die Reputation des Gründers: Die Arbeit des 37-Jährigen wurde unter anderem mit dem Otto-Brenner-Preis und dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Auf der Produktionsseite steht Markus Heidmeier, bei Flow verantwortlich für das Geschäftsfeld Documentaries & Stories. Gemeinsam wollen Flow und Stegemann investigative Stoffe entwickeln, die dort erscheinen, wo sie ihre größte Wirkung entfalten. Flow produziert aktuell Sendungen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, etwa „Kölner Treff“, die „NDR Quizshow“ und das Kai-Pflaume-Format „Kaum zu glauben!“.

 

Warum braucht es das?

Er wolle mit „Cliff“ eine „stabile Heimat schaffen für Stoffe, die kritisch auf unsere Gegenwart blicken – und das spannend erzählen“, erklärt Stegemann. Der Name spielt einerseits auf den Cliffhanger an, jenes Stilmittel seriellen Erzählens, das Spannung erzeugt. Andererseits steht „Cliff“ für gesellschaftliche Konfliktlinien, „mit denen wir in einer zunehmend komplexen und konflikthaften Welt umgehen müssen“. Ein solcher Journalismus werde heute doppelt gebraucht: gesellschaftlich, weil Desinformation zunimmt und Menschen Orientierung brauchen. Und strukturell, „weil aufwendige Recherchen Zeit, Ressourcen und Absicherung verlangen“.

 

Was ist das Besondere?

Wichtig ist die Abgrenzung: „Cliff“ ist laut Stegemann „kein klassisches Redaktionsbüro und keine reine Podcast-Schmiede“, sondern ein Label, „das journalistische Tiefe mit professioneller Produktionsinfrastruktur verbindet“. Statt von einem bestimmten Medium aus zu denken, fragt das Team zuerst nach der Geschichte – und überlegt anschließend, über welche Plattform sich diese am besten umsetzen und vertreiben lässt. Bemerkenswert ist der Anspruch, eigene Publikationswege aufzubauen und investigative Inhalte direkter zum Publikum zu bringen.

 

Wie finanziert sich das?

Vertraglich vereinbart sind für dieses Jahr drei Produktionen, darunter die Podcast-Serie „Reich. Die Zerstörung des Planeten ist ein gutes Geschäft“ im Auftrag des ARD-Kompetenzcenters Klima. Parallel entsteht eine weitere Investigativ-Reihe für Audible. „Wir werden mit privaten wie öffentlich-rechtlichen Partnern zusammenarbeiten – und aktiv an der Entwicklung alternativer Finanzierungs- und Publikationswege abseits des reinen Auftragsgeschäfts arbeiten“, sagt Stegemann.

Wegen schrumpfender Budgets im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dem hart umkämpften Streaming-Markt wolle er „Cliff“ so bauen, dass „wir nicht von einem einzelnen Auftraggeber abhängig sind. Unser Ziel ist größtmögliche publizistische Unabhängigkeit.“

 

Hat das Zukunft?

„Cliff“ setzt auf die Annahme, dass guter Journalismus in einer zunehmend fragmentierten Öffentlichkeit nicht nur Missstände aufdecken, sondern in Zeiten der Dauerkrise auch Orientierung stiften kann. Mit investigativen Recherchen wolle er dazu beitragen, „Zusammenhänge sichtbar zu machen und Öffentlichkeit dort abzuholen, wo sie zunehmend unter Druck gerät“, sagt Stegemann.

„Eine typische ,Cliff‘-Geschichte ist für mich dann erfolgreich, wenn Menschen danach nicht nur besser informiert sind, sondern sich handlungsfähiger fühlen und gesellschaftliche Debatten besser einordnen können.“

 

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