Leute vom 27.07.2012
Markus Peichl nimmt Medienmanager in Schutz
"Deutsche Medienmanager haben einen wahnsinnig schweren Job", sagt Markus Peichl zu NEWSROOM.
Berlin - Markus Peichl, am 26. Juni 1958 bei Wien geboren, gilt als einer der kreativsten Journalisten im deutschsprachigen Raum. Alles, was er anfasst, sorgt zumindest für Wirbel und ist meistens erfolgreich; für "Gottschalk live", die er am Ende als Redaktionsleiter verantwortete, war die Zeit ja eigentlich schon vor seinem Antritt abgelaufen.
Im Gespräch mit NEWSROOM sagt Peichl, Gründungs-Chefredakteur des wieder eingestellten Zeitgeist-Magazins "Tempo", dass er die heutigen Medienmanager bedauert.
Markus Peichl.
"Die Stimmung in den Verlagen ist klarerweise nicht gut, da brauchen wir uns nichts vormachen", sagt Markus Peichl. Seit 14 Jahren werde über die Abwärtsspirale geredet, jetzt gehandelt, die Rückgänge in allen Bereichen seien jetzt evident. "Es war noch nie so dramatisch wie heute, die Medienkrise ist da. Überall sind die Kioskverkäufe, die Abozahlen rückläufig und wenn sie heute teilweise Anzeigen für 35, 40 Prozent des Wertes kaufen können, der in der Preisliste steht, dann sagt das ja alles", sagt Markus Peichl.
"Es gibt Phasen, in denen es wirklich leicht ist zu gestalten, Dinge zu bewegen. Und es gibt Phasen, in denen es schwer ist, und wir haben definitiv die zweite Phase", so Peichl zu NEWSROOM. Peichl weiter: "Wenn Gerhard Schröder als Bundeskanzler aus dem Vollen hätte schöpfen können, was hätte er alles bewegen können."
Jetzt bräuchten die deutschen Medienmanager Zeit, diese unheimlich schwierige Zeit zu überstehen, und um dann "mit einem schröderschen Kraftakt etwas für die Zukunft zu tun".
An Print glaubt Markus Peichl weiterhin: "Gut ist ein Printprodukt immer dann, wenn es einen Bedarf dafür gibt, wenn es jemand braucht, wenn es jemand will."
Peichl, der die "Lead-Academy für Mediendesign" leitet und die "Galerie Crone" in Berlin-Kreuzberg führt, gesteht, dass aber auch sein Konsum an Tageszeitungen abnimmt. Täglich liest er die "FAZ", die "Süddeutsche", die "Bild", den "Tagesspiegel", die "Berliner Morgenpost", die "BZ Berlin" und die "Märkische Allgemeine".
Machern von Tageszeitungen lobt er für ihre Innovationsfreude und erinnert da an die "Ost-West-Ausgabe" der "BZ Berlin" oder an die "Bild", die für eine Ausgabe ihre Titelseite nur mit Handschrift schreiben ließ.
Im NEWSROOM-Gespräch hebt Peichl auch die Entwicklung hervor, die Anzeigenblätter durchgemacht haben. "Sie ziehen ihre Kraft aus dem wohligen, idyllischen Heimatumfeld", sagt Peichl, der nach dem Kurz-Ausflug zur ARD im Moment kein Engagement bei Medien plant: "Gottschalk hat mich gereizt, weil es besonders schwer war."
"Was mich wirklich zum Überlegen bringen würde, wäre nur Etwas mit einer langfristigen Perspektive. Ein Sechs-Monats-Ding würde mich nicht mehr reizen. Schon aus Freundschaft zu Kai Diekmann würde ich nie bei der Bild-Zeitung anheuern", sagt Markus Peichl zu NEWSROOM.
Bülend Ürük
