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Leute vom 30.07.2013

Darf man sich über Entlassungen bei "Bild" und "BZ Berlin" wirklich freuen?

Drastische Worte: "Die Vielfalt, mit der Bild und BZ Berlin bereichern, ist etwa so wertvoll wie die Vielfalt an Hundekacke auf der Straße", schreibt Sebastian Heiser in der "taz" - und jubelt sogar über die anstehenden Entlassungen.

Berlin - Aber: Darf man sich über den Jobverlust von Journalisten-Kollegen wirklich freuen? Und sorgen Medien nicht erst dafür, dass wir unsere Meinung bilden können, egal, ob uns die Blätter persönlich gefallen oder nicht? Und ist nicht jeder Jobverlust im Journalismus in diesen Zeiten einfach schlimm?

Diese Fragen stellen sich beim Lesen des "taz"-Kommentars von Sebastian Heiser über die Zusammenführung von "BZ Berlin" und der Lokalredaktion Berlin der "Bild".

"Arbeitslosigkeit dieser Kollegen Gewinn für die Stadt"

Einen Tag vor der Bekanntgabe des Funke-/WAZ-Deals hatte Axel Springer schließlich gemeldet, dass die "BZ Berlin" und "Bild" ab November aus einer Redaktion kommen, bis zu 50 Arbeitsplätze sollen wegfallen.

Sollte sich "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl für diesen Kommentar vom vergangenen Samstag bei den betroffenen Springer-Journalisten entschuldigen?

Heiser, Jahrgang 1979, schreibt in dem pointierten Kommentar vom vergangenen Samstag: "In der Theorie stimmt es natürlich, dass es für ein demokratisches Gemeinwesen förderlich ist, wenn es möglichst viele verschiedene Medien zur Informationsverbreitung und Meinungsbildung gibt. Aber in der Praxis kommt es ja wohl auch darauf an, um was für Medien es sich konkret handelt. Die Vielfalt, mit der Bild-Zeitung und BZ diese Stadt bereichern, ist ungefähr so wertvoll wie die Vielfalt an verschiedenen Hundekackehaufen auf dem Gehweg."

"Schweinemethoden, Lügen, Erpressungen und Bestechungen"

Sebastian Heiser, seit 2008 bei der "taz", er schreibt über die Berliner Landespolitik, fährt mit drastischer Sprache fort, jubelt sogar über die angekündigten Entlassungen, erklärt aber auch, warum: "Natürlich gibt es auch bei diesen Blättern gute Journalisten, die mit sachkundigen Beiträgen Aufklärung im besten Sinne leisten. Es gibt aber auch die, die mit Schweinemethoden, mit Lügen, Erpressungen und Bestechungen an ihre Informationen aus der Welt der Kriminalität, der Prominenz oder des Rotlichts kommen. Es gibt die, die gegen alternative Lebensentwürfe hetzen, die Stimmung gegen Minderheiten machen, die bleiernen Konservatismus verbreiten oder in fremder Leute Privatsphäre eindringen. Die Arbeitslosigkeit dieser Kollegen ist ein Gewinn für die Stadt."

Darf man sich über den anstehenden Jobverlust bei Axel Springer freuen? Oder sollte sich "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl für diesen Kommentar vom vergangenen Samstag bei den betroffenen Springer-Journalisten entschuldigen? Was sagen Sie? Schreiben Sie uns bitte per E-Mail an chefredaktion@newsroom.de. Gerne können Sie Ihre Meinung auch auf unserer Facebook-Seite unter http://www.facebook.com/newsroom.de kundtun.

Bülend Ürük

Newsroom.de-Hinweis: Sebastian Erb, Redakteur in den Ressorts Inland und Wirtschaft & Umwelt bei der "taz", hat uns den Archiv-Link zu dem Kommentar von Sebastian Heiser zugeschickt, der Text kann hier auf taz.de gelesen werden.

 

 

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