Vermischtes
KNA – Manuel Weis

Aus 69 mach 53: Wie die ARD ihre Radioflotte neu aufstellt

Zum 1. Januar 2027 wird sich – wie im Reformstaatsvertrag vorgeschrieben – die Zahl der klassisch verbreiteten ARD-Radiowellen deutlich reduzieren. Eine Umfrage bei allen Anstalten ergibt das Audio-Angebot ab 2027.

Bonn (KNA) – Über lange Zeit kamen aus der ARD ganz unterschiedliche Zahlen, wenn es um die Anzahl ihrer Radiowellen ging. Neben UKW gab es DAB+-Angebote, dazu kamen diverse Webradios – da konnte der Überblick schon mal verloren gehen. Zumindest was die klassischen Radioprogramme angeht, hat die Medienpolitik mit dem im vergangenen Dezember in Kraft getretenen Reformstaatsvertrag Fakten geschaffen: 16 Wellen sollen weg, wobei es die einzelnen ARD-Anstalten ganz unterschiedlich trifft.

Das liegt vor allem an den unterschiedlichen Vorgaben für Ein- und Mehrländeranstalten. Während ARD-Sender, die wie der Bayerische, der Westdeutsche oder der Hessische Rundfunk nur für ein Bundesland senden, ihr Angebot auf jeden Fall reduzieren müssen, haben mehrere Bundesländer versorgende Anstalten wie MDR und NDR etwas mehr Spielraum.

 

Große Anstalten stärker betroffen

Wenig überraschend sind es vor allem die ganz großen Anstalten, bei denen gleich mehrere Programme betroffen sind. Beim Bayerischen Rundfunk (BR) müssen beispielsweise gleich vier der heute zehn Wellen eingestellt werden. Spätestens ab Januar sollen BR24live, BR Verkehr, BR Schlager und Puls Radio nicht mehr senden.

 

BR24live war ein Programm für „gelegentliche Live-Mitschnitte“, wie der BR es nennt, BR Verkehr eine automatisierte Welle mit Nonstop-Verkehrsnachrichten. Bei der Einstellung von BR-Schlager hat sich der BR gleichzeitig für den Erhalt des Kanals BR-Heimat entschieden, weil dies in Einklang mit dem Ziel stehe, ein einzigartig bayerisches Angebot zu senden.

 

Schon diesen Januar beendet wurde das junge Radioprogramm Puls Radio. Die 14- bis 29-Jährigen möchte man mit der Marke nun rein digital erreichen. Eine Durchschlagskraft wie 1Live in Nordrhein-Westfalen oder selbst DasDing im Südwesten hatte Puls in Bayern aber sowieso nie. Erhalten bleiben obendrein der News-Sender BR24, der Oldie-Sender Bayern1, die Popwelle Bayern3 sowie Bayern2 und BR-Klassik.

 

Aus für die Maus?

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) soll künftig nur noch sieben Wellen klassisch verbreiten. Aus Köln war schon zu vernehmen, dass sowohl WDR Event als auch das MausRadio über UKW und/oder DAB+ wegfallen werden. Das MausRadio soll zum Ausgleich jetzt eine eigene Kinder-Audiowelt bei ARD Sounds, der gemeinsamen Audio-App der ARD-Anstalten, erhalten.

 

Änderungen stehen zudem bei 1Live, 1Live Diggi und Cosmo an. Neben der bekannten jungen Welle 1Live soll das bisherige Cosmo zu einem Programm für die kulturell diverse und urbane Community weiterentwickelt werden, bei der die weltweit größte und verbindende Jugendkultur Hip-Hop eine zentrale Rolle spielt.

 

Ein neues drittes Audio-Programm, das wie bisher 1Live Diggi online und über DAB+ empfangbar ist, soll sich an die wachsende Gruppe junger Menschen richten, die sich in einer digital überreizten Medienwelt nach Ruhe, Sicherheit und einer unaufgeregten Medienumgebung sehnen. Weil die Gremien noch nicht zugestimmt haben, sind diese WDR-Pläne allesamt aber noch nicht in Stein gemeißelt.

 

NDR wägt „differenziert ab“

Acht statt elf, also drei weniger, heißt es künftig auch beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Er will daher die drei Digital-Programme NDR Info Spezial, NDR Schlager und NDR Blue Ende 2026 einstellen. Der Sender spricht gegenüber dem KNA-Mediendienst von „einem differenzierten Abwägungsprozess unter Beteiligung der betroffenen Bereiche, der Medienforschung sowie von Rechtsexperten“. Unverändert erhalten bleiben NDR 1 Niedersachsen, NDR 1 Welle Nord, NDR 1 Radio MV, NDR 90,3, NDR2, N-Joy, NDR Kultur und auch NDR Info.

 

Der Hessische Rundfunk durchläuft derweil mehrere Phasen bei der Erarbeitung seiner Radiostrategie. Während eine erste schon durch ist, steht eine weitere Runde erst für 2027 an. Bisher steht fest, dass es eine Kooperation für hr-Info mit SWR Aktuell vom Südwestrundfunk (SWR) geben soll und die Zusammenlegung des jungen Programms YouFM mit DasDing und Unser Ding von SWR und Saarländischem Rundfunk (SR) kommt.

 

Aus den drei eigenständigen Jugendwellen wird ab Juni dann das neue DasDing. Für AntenneSaar, das deutsch-französische Info-Radio des SR auf DAB+ (früher: SR-Info), steht der Start einer Kooperation mit den Infowellen SWR Aktuell und hr-info, die ihrerseits zu einem gemeinsamen Programm zusammengehen wollen, für Januar 2027 an.

 

SWR, SR und HR kooperieren

Neben den Änderungen im Info- und Jugendbereich baut der SWR zudem sein Programm SWR 4 um. Beim SWR ist vorgesehen, aus acht nur noch sechs Wellen zu machen. SWR4 Baden-Württemberg und SWR4 Rheinland-Pfalz werden daher vollständig zusammengeführt, auch in der Primetime am Morgen. Sie senden bereits seit einigen Wochen vollständig gemeinsam. Bestückt werden sie mit Beiträgen aus beiden Bundesländern, heißt es vom Sender.

 

Beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) sind es ab 2027 noch sieben Wellen, die veranstaltet werden: MDR Aktuell, MDR Jump, MDR Kultur, MDR Sachsen sowie MDR Sachsen-Anhalt und MDR Thüringen. Auch MDR Sputnik geht weiter, wird allerdings nur noch bis Jahresende via UKW verbreitet und soll danach rein digital weiterleben. Grund ist hier nicht allein der Reformstaatsvertrag, sondern auch der von Intendant Ralf Ludwig Mitte Mai im Rundfunkrat verkündete Sparkurs, der für den MDR auch im TV-Bereich weitreichende Folgen hat.

 

Noch keine Details aus Bremen und vom RBB

Noch keine Details gibt es vom RBB. Der RBB teilte auf Anfrage mit: Für den RBB stünde „eine Anpassung seines Staatsvertrags auf Grundlage des Reformstaatsvertrages noch aus“. Die entsprechende Novellierung des Gesetzes wird gerade zwischen dem Berliner Senat und der Brandenburger Landesregierung final abgestimmt.

 

Man werde sich daher erst auf Grundlage einer gesetzlichen Beauftragung zur künftigen Radioflotte äußern, „da sich erst daraus unsere Gestaltungsspielräume und Verpflichtungen ergeben“, so der RBB.

In Bremen soll es dem Sender zufolge keine Veränderungen im Audio-Portfolio geben: „Die Hörfunkprogramme, die Radio Bremen veranstaltet, sind nicht betroffen. Wir führen unsere Angebote Bremen Eins, Bremen Zwei, Bremen NEXT und Bremen Vier also fort.“

 

In der kompletten Audio-Strategie noch offen bleibt zudem, wie es künftig mit der zuletzt etwas ausufernden Beauftragung von Podcasts für die neue Plattform ARD Sounds weitergeht, die erst seit März offiziell am Start ist und die ARD Audiothek, die frühere gemeinsame Radio-Mediathek von ARD und Deutschlandradio, ersetzt. Der MDR hat für seine Podcasts bereits neue Erfolgsmaßstäbe verkündet. So sollen Angebote, die regelmäßig weniger als 6000 Nutzer erreichen, demnächst wegfallen.

 

 

 


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