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KNA

„medium magazin“: Neun von zehn migrantischen Journalisten erleben Rassismus

Rassismus ist in der deutschen Gesellschaft weiter verbreitet, wie eine Umfrage des „medium magazins“ zeigt. Das gelte auch für die Medienbranche. Betroffene ziehen teils drastische Konsequenzen.

Hamburg (KNA) – 90 Prozent der Journalisten mit Migrations- und Fluchterfahrung haben laut einer Umfrage des „medium magazins“ Rassismus im Arbeitsalltag erlebt. Für die Erhebung wurden nach eigenen Angaben rund 200 Medienschaffende in Deutschland befragt.


Besonders häufig (85 Prozent) sind demnach Rassismus und Diskriminierung durch eigene Kollegen. Dabei gehe es in den meisten Fällen um abwertende Sprache oder vermeintliche Witze. Mehr als die Hälfte habe schon einmal das Gefühl gehabt, nur symbolisch als Vertreter einer marginalisierten Gruppe in eine Redaktion eingebunden worden zu sein, um als Aushängeschild zu dienen.

 

52 Prozent gaben an, gegen ihren Willen als Experten für Themen wie Migration und Rassismus herangezogen zu werden. Jede zehnte befragte Person ist nach eigener Aussage schon einmal beschimpft oder beleidigt worden, vier Prozent berichteten gar von körperlichen Übergriffen. Im Kontakt mit dem Publikum hätten 39 Prozent der Befragten Diskriminierung erlebt, im Umgang mit Protagonisten ein Drittel.

 

Ergebnisse nicht repräsentativ

Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Zusätzlich zur Befragung wurden eingehende Interviews mit einzelnen Betroffenen geführt, um weitere Einblicke zu erhalten. „Wir konnten erkennen, dass es hier nicht um Einzelfälle geht, sondern um Strukturen, die letztendlich den Ausstieg aus dem Beruf begünstigen“, sagte Rechercheteam-Mitglied Lisa Pham bei der Vorstellung der Ergebnisse. Demnach gaben 70 Prozent der Befragten an, mit der Arbeit in der Medienbranche zu hadern oder den Beruf bereits verlassen zu haben.

 

Der für die Recherche befragte Autor Zain Salam Assaad berichtete: „Man muss viel runterschlucken, sonst könnte man gar nicht mehr arbeiten. Journalistin Valeria Bajaña Bilbao ergänzte: "Die Bereitschaft, gegen Rassismus in der eigenen Redaktion anzukämpfen, hat abgenommen.“

 

Viele Betroffene entscheiden sich laut Pham für freies Arbeiten anstelle einer Festanstellung in einer Redaktion. Andere wechselten den Arbeitsplatz oder gründeten eigene Formate. Besonders den Austausch mit anderen Betroffenen schätzten viele als Hilfsangebot.

 

 


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