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Syriens Presse verhilft der "Mutter aller Schlachten" zum Comeback

Formulierung hatte nach Saddam-Rede 1991 schon einmal einen festen Platz in der Alltagssprache.

New York - Die arabische Sprache ist reich an dramatischen Formulierungen und blumigen Konnotationen. Wenn es militärisch um alles geht, reicht die "Entscheidungsschlacht" nicht aus, dann muss es schon die "Mutter aller Schlachten" sein. Im Bürgerkrieg in Syrien hat der Slogan nun ein Comeback gefeiert. Am Samstag titelte eine syrische Zeitung über den Kampf um die Metropole Aleppo: "Mutter aller Schlachten".

Geprägt wurde das Schlagwort am Vorabend des Golfkriegs vom damaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein. "Die Schlacht, in die ihr heute zieht, ist die Mutter aller Schlachten", sagte der Machthaber im Januar 1991 in einer Ansprache an die Nation. Wenige Tage später lief das Ultimatum für den Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait aus und der Krieg begann.

Die Formulierung geht ursprünglich auf den Sieg einer arabischen Streitmacht über das persische Sassanidenreich im 7. Jahrhundert zurück. Nach Saddams Rede setzte sich die "Mutter aller Schlachten" im Laufe der 1990er Jahre im Wortschatz von Politikern, Moderatoren und Journalisten fest.

Nach den zügigen Erfolgen der US-Streitkräfte im Golfkrieg sagte der damalige Verteidigungsminister Dick Cheney nicht ohne Häme, "die Mutter aller Schlachten ist zur Mutter aller Rückzüge geworden". In den Medien wurde über die regelmäßigen Pressekonferenzen des Kommandeurs General Norman Schwarzkopf als "Mutter aller Briefings" berichtet

Formulierung erobert sich festen Platz in der Alltagssprache

Plötzlich war von der "Mutter aller Paraden", der "Mutter aller Partys" und der "Mutter aller Spiele" die Rede. Der US-Fernsehmoderator Johnny Carson kündigte in einer seiner Sendungen die "Mutter aller Monologe" an.

In der Finanz- und Bankenkrise 2008 sagte der US-Senator Richard Shelby: "Das ist die Mutter aller Rettungspakete und ein Ende ist noch nicht in Sicht." Der ehemalige pakistanische Präsident Pervez Musharraf kündigte im vergangenen Jahr an, er trete möglicherweise 2013 bei der "Mutter aller Wahlen" wieder an.

Im Verfahren gegen den Konzern BP wegen der Ölpest im Golf von Mexiko sagte 2010 ein Anwalt die "Mutter aller Haftungsklagen" voraus. Eine Fernsehserie des US-Senders CBS über die Bloggerin Kelly Oxford heißt "The Mother of All Something".

Saddam bescherte dem Slogan einen festen Platz in der Popkultur, doch erfunden hatte der irakische Machthaber ihn nicht. In der King-James-Bibel ist von der "Mutter von Allem" die Rede - gemeint ist Jerusalem und Eva. Und der US-Gründervater Benjamin Franklin führte die Formulierung mit einem Eintrag in einem Almanach sogar gegen die Völlerei ins Felde.

"Ein voller Bauch", schrieb Franklin, "ist die Mutter allen Übels."

Amy Westfeldt