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Weiterbildung als Karriere-Investment: Worauf Medienprofis achten sollten

Weiterbildung als Karriere-Investment: Worauf Medienprofis achten sollten Attila Albert

Viele Medienschaffende investieren bereitwillig in Freizeit und Konsum, bei der eigenen Weiterbildung wird dagegen oft gezögert. Karrierecoach Attila Albert erklärt, wie sich Fortbildungen gezielt auswählen – und langfristig auszahlen.

Berlin – Für den Urlaub und Freizeitvergnügen ist immer Geld da, aber wenn es um eine Weiterbildung geht, zögern viele Berufstätige. Wer so herangeht, gefährdet jedoch seine Zukunft. Karrierecoach Attila Albert sagt, worauf man bei Weiterbildungen achten sollte und wie sie sich tatsächlich auszahlen.

 

Es gehört zu den widersprüchlichen Entscheidungen vieler Berufstätiger, dass sie für Urlaube und andere Freizeitaktivitäten (z. B. ein neues Rennrad) bedenkenlos vierstellige Beträge ausgeben, in ihre berufliche Zukunft aber kaum etwas investieren wollen. Dabei entscheiden insbesondere Haupt- und Alleinverdiener damit über ihre spätere materielle Existenzgrundlage. Zudem gehören Investitionen in die eigene berufliche Zukunft zu den ertragreichsten Geldanlagen. Sie können das Einkommen für das gesamte weitere Berufsleben steigern und erhöhen die Chance darauf, dass man auf dem Arbeitsmarkt mindestens wettbewerbsfähig bleibt bzw. sogar erfolgreicher wird (z. B. durch eine Beförderung).

 

Speziell in der Medienbranche mit ihren fortlaufenden wirtschaftlichen, technischen und methodischen Veränderungen sind regelmäßige Weiterbildungen – auch jenseits der 50 – zwingend, wenn man nicht zurückbleiben will. Im KI-Zeitalter genügt es nicht mehr, vor 20 Jahren einmal einen halbtägigen Multimedia-Kurs besucht zu haben. Auch Fremdsprachenkenntnisse (z. B. Business-Englisch) und journalistische Kompetenzen (z. B. Daten- und Investigativrecherche, Audio- und Videoschnitt) brauchen eine solide Basis sowie regelmäßige Aktualisierung und Erweiterung. Wie investieren Medienprofis aber so in ihre berufliche Zukunft, dass sich der Geld- und Zeitaufwand auszahlt? Dazu einige Gedanken.

 

Grundsätzlichen Bedarf prüfen

Vor der Entscheidung für eine Weiterbildung sollte man zunächst folgende drei Fragen für sich beantworten: Was will ich beruflich erreichen, braucht es dafür überhaupt eine Weiterbildung – und wenn ja, welche? Die Anbieter von Weiterbildungen werden ihre Programme immer als sinnvoll anpreisen. Daher empfiehlt sich neben eigenen Recherchen das Gespräch mit einem kompetenten, neutralen Ratgeber (z. B. Mentor, Karriereberater oder Coach). Möglicherweise stellt sich dabei heraus, dass sich das angestrebte Ziel auch ohne Weiterbildung erreichen lässt oder man bisher eine Maßnahme im Blick hatte, die gar nicht zum gewünschten Ziel passt. Damit erspart man sich gravierende Fehlinvestitionen.

 

Investition muss sich auszahlen

Um bei einer Weiterbildung überhaupt von einer Investition sprechen zu können, muss ihr Ziel sein, damit in naher Zukunft einen Gewinn zu erwirtschaften. Das sollte man durchaus eng fassen und konkret formulieren, sich also z. B. eine interne Beförderung oder einen externen Aufstieg mit Gehaltserhöhung als Ziel setzen. Ein weniger direktes, aber ebenso sinnvolles Ziel ist es, mit einer Weiterbildung seine berufliche Perspektive abzusichern (z. B. Redaktionsleiter werden, ins Produktmanagement wechseln oder passend zu einer neuen Familiensituation ortsunabhängig arbeiten zu können). Eine Weiterbildung soll auch interessant sein und Spaß machen, aber das sind nachgeordnete Ziele.

 

Bei der Auswahl langfristig denken

Weiterbildungen mit einer gewissen Substanz erfordern eine vier- bis fünfstellige Ausgabe, der Zeitaufwand liegt bei mehreren Monaten (z. B. MAS, CAS) oder sogar Jahren (Erst- oder Aufbaustudium). Daher sollten Inhalt, Format und Anbieter so gewählt werden, dass sich die Investition über möglichst viele Jahre fortlaufend rentiert. Dafür empfiehlt es sich, keine Zeitgeistthemen zu wählen, auch wenn gerade „alle darüber sprechen“, sondern langfristigen Trends und langjährigen eigenen Überzeugungen zu folgen. Daneben ist ein entscheidendes Kriterium, ob andere für diese Qualifikation etwas bezahlen würden. Nur so lässt sich die Ausgabe zurückverdienen und anschließend ein Gewinn damit erzielen.

 

Beteiligung des Arbeitgebers erfragen

Bei jeder Investition gilt: Je weniger man selbst bezahlt, desto schneller kommt man in die Gewinnzone. Bei einer Weiterbildung, die man sich selbst organisiert, lässt sich der finanzielle Eigenanteil oft beachtlich reduzieren. Erster Ansprechpartner dafür ist der Arbeitgeber, der nicht selten bereit ist, 25 oder 50 Prozent der Kosten zu übernehmen. Oft lässt sich das aushandeln, wenn zuvor eine Gehaltserhöhung abgelehnt wurde, da Zuschüsse für Weiterbildungen aus einem eigenen Budget kommen. In bestimmten Fällen lassen sich auch öffentliche Zuschüsse beantragen, und nicht zuletzt lassen sich Weiterbildungskosten (inklusive damit verbundener Fahrtkosten, Bücher, Laptop usw.) steuerlich absetzen.

 

Thema aus dem eigenen Arbeitsalltag wählen

Wenn man nicht einen Berufs- oder Branchenwechsel plant, vereinfacht man sich die Weiterbildung enorm, indem man dafür ein Thema aus dem Arbeitsalltag wählt. Beispiel: Als Redakteur eine KI-Weiterbildung angehen, in deren Rahmen man KI-basierte redaktionelle Formate und Abläufe erforschen und entwickeln will. Damit lässt sich die Unterstützung des Arbeitgebers – finanzieller Zuschuss, flexible Arbeitszeiten, Freistellung für Vorlesungen – wesentlich leichter erreichen. Seminar- und Abschlussarbeiten lassen sich teilweise in der Arbeitszeit schreiben, reale Probleme aus dem Job einbringen und bearbeiten. All das macht das Lernen praxisnah, interessant und effizient.

 

Unterstützung des Partners erbitten

Grundsätzlich ist man als Berufstätiger besser auf eine Weiterbildung vorbereitet, als man es als Schüler oder Student war. Die wichtigsten Lern- und Arbeitsroutinen sind etabliert, man ist disziplinierter und weiß besser, was für einen funktioniert. Bei einer berufsbegleitenden Weiterbildung ergänzen sich Praxiserfahrungen und neues Theoriewissen zudem ständig, vieles lässt sich gleich im Job anwenden. Trotzdem braucht eine Weiterbildung viel Zeit und Kraft – das muss der Partner wissen und unterstützen. Konkret werden z. B. Urlaube und Freizeitaktivitäten für einige Zeit bescheidener ausfallen oder ganz wegfallen müssen. Möglichst vermeiden sollten Paare parallele Weiterbildungen, da dies oft beide überfordert.

 

Ausgabe erst zurückverdienen

Regelmäßig kommt es vor, dass sich die Erwartung, die mit der Weiterbildung verbunden war, nach dem Abschluss nicht sofort erfüllt. Beispiel: Die Beförderung mit Gehaltserhöhung, auf die man sich hingearbeitet hat, bleibt vorerst aus. Für viele ist es dann eine Versuchung, direkt die nächste Weiterbildung zu beginnen – in der Hoffnung, dass es damit endlich klappt. Hier empfiehlt sich zunächst eine Analyse, ob das zielführend wäre. Möglicherweise braucht es nun kein weiteres Zertifikat, sondern z. B. den Mut zu einem externen Wechsel oder mehr Netzwerken.

 

Die Ausgaben für eine Weiterbildung sollten immer erst mit einem Gewinn zurückverdient („amortisiert“) sein, ehe die nächste überlegt wird.

 

Eine lange Liste von Abschlüssen und Zertifikaten im Lebenslauf ist für sich genommen kein Plus, sondern kann aus Sicht von Personalverantwortlichen auch darauf hindeuten, dass jemand ziellos, sprunghaft oder ungeduldig ist. Sieht man Weiterbildungen als Investitionen, kann man sogar sagen: besser wenige, dafür ausgewählte – immer auf konkrete Ziele ausgerichtet und mit einem realen, langfristigen Gewinn. Ansonsten investiert man in Urkunden, die den Geld- und Zeitaufwand nicht rechtfertigen.

 

Zur vergangenen Kolumne: Warum Motivation über Karriere entscheidet

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

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