Vermischtes
KNA

Al-Dschasira entlässt offenbar Gaza-Journalisten

Mehr als 20 Journalisten aus Gaza sollen ihre Arbeit bei Al-Dschasira verloren haben. Der Sender schweigt.

Jerusalem (KNA) – Der katarische Sender Al-Dschasira hat offenbar die Zusammenarbeit mit rund 20 Journalisten aus dem Gazastreifen beendet. Die Verträge wurden nach jahrelanger Kriegsberichterstattung unter Lebensgefahr gekündigt oder nicht verlängert, wie örtliche Medien unter Berufung auf die Plattform „Gaza 24 Live“ berichteten. Zu den Betroffenen gehören demnach Korrespondenten, Produzenten, Kameraleute und weitere Journalisten.


Die Last der Kriegsberichterstattung aus dem Gazastreifen habe seit Oktober 2023 ausschließlich auf den palästinensischen Kollegen gelastet, nachdem Israel ausländischen Journalisten seit Kriegsbeginn die unabhängige Einreise in das Kriegsgebiet verweigere, erklärte ein betroffener Journalist laut Bericht der israelischen Zeitung „Haaretz“.


Mehrere Betroffene kritisierten den überraschenden Schritt des Senders in Beiträgen in Sozialen Medien, in denen sie auf das außerordentliche Engagement der Medienschaffenden und die extremen Arbeitsbedingungen im Krieg hinwiesen. Sie warfen dem Sender vor, ohne Angabe von Gründen, ohne Vorwarnung und ohne Zahlung ausstehender Beträge die Arbeitsverhältnisse beendet zu haben, für viele zudem die einzige Einkommensquelle.


Die der Hisbollah nahestehende libanesische Tageszeitung „Al-Akhbar“ sprach laut Berichten von einem „Massaker an Journalisten aus Gaza“. Nach ihren Angaben sind 26 Journalisten von den Kündigungen betroffen; „Gaza 24 Live“ sprach von 24 Kündigungen. Al-Dschasira reagierte laut Berichten nicht auf mehrere Anfragen um eine Stellungnahme.


Vorwurf der Hamasnähe
Der Sender, der nach eigenen Angaben rund 430 Millionen Menschen in rund 150 Ländern erreicht, war für seine Berichterstattung aus dem Gazastreifen wiederholt in die Kritik geraten. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, die Hamas zu unterstützen.


Israel hatte dem Sender im Mai 2024 die Tätigkeit verboten und dies mit einer „Bedrohung für die nationale Sicherheit“ begründet. Mitte Juli ordnete Kommunikationsminister Shlomo Karhi eine Verlängerung der Schließung der Israel-Büros um weitere 90 Tage an. Zwischenzeitlich hatte auch die Palästinensische Behörde den Sender gebannt, die Entscheidung jedoch im Mai 2025 wieder aufgehoben.


Forderung nach Unterstützung für Gaza-Journalisten
Der Nahostreferent der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (RSF), Christopher Resch, forderte am Donnerstag Schutz und Unterstützung für Journalisten in Gaza. „Die palästinensischen Journalist*innen sind unser Fenster nach Gaza, und sie haben für ihre Berichterstattung viel zu oft einen enorm hohen Preis bezahlt. Wir dürfen sie nicht allein lassen“, so Resch. Die Menschen vor Ort und die Welt bräuchten Zugang zu zuverlässigen Informationen aus Gaza.


RSF teilte mit, dass man die Kollegen in Gaza mit psychosozialer Hilfe sowie mit Förderprogrammen für journalistischen Nachwuchs unterstütze, darunter Kurse zu psychologischer Erster Hilfe sowie Schulungen zu Themen wie ethischer Berichterstattung und Faktenprüfung.


Zahlreiche getötete Journalisten
Laut RSF und dem „Committee to Protect Journalists“ (CPJ) wurden im Kontext des Gaza-Krieges seit Oktober 2023 mindestens 200 Medienschaffende durch israelische Angriffe getötet, mindestens 68 von ihnen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit.


Am obersten Gericht Israels ist seit September 2024 eine Petition anhängig, mit der der Verband der Auslandspresse in Israel und den palästinensischen Gebieten (FPA) freien und unabhängigen Zugang von Journalisten in den Gazastreifen fordert. Israel lehnt dies unter anderem mit dem Argument einer Gefährdung seiner Soldaten ab.

 

 

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