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KNA

„Tarifflucht“: Wie die Gewerkschaft auf den massiven Stellenabbau beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ reagiert

Verleger Christian DuMont-Schütte kritisieren sie mit scharfen Worten.

Köln (KNA) – Nach der Ankündigung des „Kölner Stadt-Anzeigers“, über 50 Stellen in der Redaktion abzubauen, gibt es scharfe Kritik von den Gewerkschaften. „Das ist ein schwarzer Tag für den Lokaljournalismus nicht nur im Rheinland. Mit der Entscheidung, die Rheinische Redaktionsgemeinschaft (RRG) zu schließen, fährt DuMont die Zeitungslandschaft im Großraum Köln endgültig vor die Wand“, sagte Andrea Hansen, Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) in Nordrhein-Westfalen.


Der DuMont-Verlag, dem der „Kölner Stadt-Anzeiger“ gehört, hatte am Donnerstag verkündet, seinen Dienstleister RRG zu schließen und alle 57 Mitarbeiter zu entlassen. Diese sollen sich auf freie Stellen im restlichen Unternehmen bewerben können. Wie viele Beschäftigte übernommen werden und zu welchen Konditionen, ließ der Verlag aber offen. Als Grund für den Schritt hatte er die digitale Umstellung der Produktionsprozesse und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz angegeben. Für die Leserschaft solle sich nichts ändern.


Diese Begründung wollen die Gewerkschaften so nicht gelten lassen: „Man kann diese überstürzte Schließung leicht als einen billigen Taschenspielertrick entlarven, um auf Kosten von gutem Journalismus durch Automatisierung viel Geld zu sparen“, so Hansen. Die Gewerkschaft ruft Verleger Christian DuMont-Schütte, der auch Vorsitzender des Verlegerverbands in Nordrhein-Westfalen ist, dazu auf, seine Entscheidung zurückzunehmen.


Vorwurf der Tarifflucht
Kritik gibt es auch an der Ankündigung des Verlags, dass sich für die Leserschaft mit den Entlassungen nichts ändern werde. Es sei „an Dreistigkeit nicht zu überbieten“, der Kundschaft zu versprechen, dass sich an ihrer Zeitung nichts ändern werde, so Hansen: „Wir sind fassungslos, dass eine solche Geschäftspolitik in der Medienbranche angesichts der immer wieder beschworenen Bedeutung von Lokaljournalismus für unsere Gesellschaft in 2026 möglich ist. Das passt nicht zusammen.“


Auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion (DJU) kritisiert die Entscheidung von DuMont und verweist auf die unklare Zukunft der nun entlassenen Beschäftigten: „Aus langjährigen Beschäftigten werden Bewerber*innen im eigenen Haus“, beklagte Danica Bensmail, Bundesgeschäftsführerin der DJU. DuMont lasse 57 tarifgebundene Vollzeitstellen entfallen, sage aber nicht, wie viele neue journalistische Stellen entstehen, wer übernommen wird und zu welchen Bedingungen. „Digitale Transformation darf nicht zur Tarifflucht werden“, betonte Bensmail weiter.

 

 

 

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