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Print vom 04.05.2012

WAZ muss alte Zöpfe abschneiden - Zurück ins Lokale

WAZ-Chef Christian Nienhaus und WAZ-Miteigentümer Stefan Holthoff-Pförtner fuhren am Mittwoch nach Berlin, um bei der Geburtstagssause von Axel Springer zu feiern. Denn daheim ist Schluss mit lustig. Die Herausforderungen im WAZ-Stammland NRW nehmen nicht ab. Im Gegenteil.

Dortmund - "Die WAZ Mediengruppe steckt in der Reorganisation, es ist ein laufender Prozess", sagt Medienforscher Horst Röper.

Röper, der das angesehene Formatt-Institut in Dortmund leitet, ist sich im Gespräch mit NEWSROOM sicher, dass die WAZ-Entscheider noch nicht für alle Fragen Antworten gefunden haben.

Dabei gelte jedoch eine klare Marschrichtung - zurück ins Lokale. Welche alten Zöpfe dabei eventuell abgeschnitten werden müssen, stehe nicht fest.

Wohl aber, dass die Redakteure am Content-Desk sich jetzt auch für eine Stelle im Lokalen bewerben dürfen.

Wer sich also bislang um die große Politik, um Thomas Gottschalk, DSDS, Bundespolitik oder um Hannelore Kraft von Essen aus gekümmert hat, wird in Zukunft eventuell darüber berichten, was Landrat Frank Beckehoff in Olpe über diese oder jene Ortsumgehungsstraße in Altenhundem zu sagen hat. Oder über die neue Treppenanlage am Spoykanal in Kleve.

Im Lokalen gibt es Arbeit genug, die Kollegen vor Ort fühlen sich nicht zu Unrecht alleine gelassen, die Klagen über Ausgebranntsein (Burn-Out) sind bei den Zeitungen der WAZ-Gruppe höher als bei anderen Medien.

Der Leser wird sich über mehr eigene Geschichten im Lokalteil, dem Herzstück jedes Lokalblattes, freuen.

Horst Röper beobachtet aktuell zudem, dass das Layout der Titel nach einem Relaunch noch stärker angepasst wird. So würden die Zeitungen in Zukunft nicht mehr sieben, sondern sechs Textspalten haben. "Ein einheitliches Layout hilft, die Seiten zwischen den Zeitungen auszutauschen, ohne sie noch einmal anzufassen", so Röper.

Zudem sei der Standort Düsseldorf schon seit Jahren immer wieder im Gespräch.

Wie schwer es die kleine, tüchtige NRZ-Redaktion in der Landeshauptstadt hat, beweisen die IVW-Zahlen.

Während die NRZ, die einst sogar bis hinaus nach Aachen erschien, in Düsseldorf 5.790 Abonnenten hat, sind es beim Platzhirschen Rheinische Post 90.138 Abonnenten, bei der Westdeutschen Zeitung noch 16.358 Abonnenten. Nur der Express Düsseldorf verkauft noch weniger Abos, laut IVW sind es hier lediglich 1.883 verkaufte Abonnements. Aber der Express ist auch die Zeitung, die in der Trinkhalle, am Kiosk mal eben mitgenommen wird.

36.327 Exemplare verkauft der Express Düsseldorf insgesamt, zur Zeitung aus dem WAZ-Konzern wollen in Düsseldorf dagegen nur 6.773 Käufer greifen.

Bülend Ürük

 

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